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Bella Salsa – Wie man ein Musikvideo mit einfachsten Mitteln dreht

Sommer, Dresden, eine kubanische Tänzerin, eine neue Kamera – wenn das kein Grund für einen kleines Musikvideo ist! Mabel „Bella“ Schwan, die mit ihrer Tanzschule „Bella Salsa“ seit vielen Jahren Dresden und Umgebung lateinamerikanische Tänze näher bringt, kam schon vor langer Zeit mit der Bitte auf mich zu, mit ihr doch mal einen kleinen Film zu drehen. Wenig Zeit und mangelnde Inspiration hielten uns jedoch monatelang auf – bis meine Mutter, die zu dieser Zeit ein Buch über Mabel schrieb („Meine Sterne behalte ich“ – die unglaubliche Lebensgeschichte von Mabel Schwan und ihr Weg von Kuba nach Deutschland, inzwischen erhältlich bei Amazon und co.) mit der Idee kam: verbinde doch einfach das klassische, barocke Dresden mit Bellas kubanischen Esprit!

 

 

Schnell war die Idee weitergesponnen: ein kubanischer Tanz in altehrwürdiger Atmosphäre – was würde sich dafür besser anbieten als der Neumarkt, der Vorplatz der weltberühmten Dresdner Frauenkirche? Leider gibt es da nur ein Problem: der Neumarkt ist immer voller Menschen, bei gutem Wetter sowieso. Dort ungestört zu filmen ist praktisch unmöglich – erst recht in der Magic Hour, also den wenigen Minuten vor Sonnenuntergang, wenn das Licht besonders gut steht.

Die Lösung des Problem bedeutete zumindest für mich eine wirkliche Überwindung: extrem früh aufstehen, um schon gegen fünf Uhr vor der Frauenkirche zu sein und statt den Sonnenuntergang so den Sonnenaufgang nutzen! Jetzt war also das „was“, das „wo“ und das „wann“ klar. Fehlte nur noch das „wer“ und das „wie“.

Bella als Tänzerin war natürlich gesetzt, aber wer sollte ihr Tanzpartner werden? Nach kurzem Suchen schlug sie Javier Brunet vor, genau wie sie ein Kubaner und des Salsa-Tanzens mächtig. Trotz geringer Schauspielerfahrung war ich überrascht, wie telegen und talentiert Javier sich vor der Kamera gab.

Das „wie?“ war dann eine Frage, die ich ganz für mich allein klären musste. Mit meinem Standard Kamera Equipment zu drehen wäre zwar einfach, für mich aber irgendwie auch langweilig gewesen. Daher entschied ich mich, den Großteil der Aufnahmen mit einer winzigen Foto-Kompaktkamera, der Sony RX100 Mark IV, zu drehen. Der Vorteil dieser Kamera war neben ihrer Handlichkeit und generell guten Bildqualität die Möglichkeit, extreme Zeitlupen in Full-HD zu filmen (bis zu 250 Bilder pro Sekunde, also 10fache Verlangsamung).

Ich schraubte sie mir auf eine einfache Glidecam, aktivierte den (sehr guten) optischen Entwackler und improvisierte beim Dreh drauf los. Während Bella und Javier immer wieder nach einem typischen, vom Handy abgespielten Salsa-Stück tanzten, „tanzte“ ich mit der Kamera um sie herum mit und machte so viele Aufnahmen wie möglich. Nur die Totalen am Anfang und am Ende des Films machte ich vom Stativ mit einer Panasonic G7.

Das geniale, tiefstehende Licht früh am Morgen und der menschenleere Neumarkt gaben den Bildern dann eine ganz eigene Atmosphäre. Und dabei brauchte ich als „Beleuchtung“ nur einen normalen Reflektor und drehte mit meiner winzigen Fotokamera – so einfach und günstig kann Filmemachen manchmal sein!

Filmemacher_Kameramann_Alexander_Schulz_filmt_Bella_Salsa_Mabel_Schwan

Der Filmschnitt im Final Cut Pro X gestaltete sich dann als unkompliziert. Etwas problematisch war nur, dass ich in den 1 1/2 Stunden Drehzeit (mehr ließen die Lichtverhältnisse nicht zu) zu wenig Material für einen zweiminütigen Film sammeln konnte. Diese 2 Minuten Länge waren aber notwendig, damit Komponist Sascha Knorr ein vernünftiges Lied für den Film komponieren konnte. Doch Not macht erfinderisch und so verwendete ich am Ende fast jede gedrehte Einstellung und erreichte so die notwendige Laufzeit.

Die Komposition der Musik war hingegen deutlich komplizierter, da Sascha und ich uns ein hohes Ziel gesetzt hatten: auch im Ton sollte der barocke Flair mit dem Salsa-Rhythmus verknüpft werden. Leider funktioniert das in der Theorie einfacher als in der Praxis, da sich ein Salsa eigentlich nicht dafür eignet, von klassischen Instrumenten gespielt zu werden – das Ergebnis klingt immer irgendwie „schräg“. Nach monatelangen Versuchen, etlichen verworfenen Melodien und Instrumenten schaffte Sascha es dann aber doch und präsentierte mir ein Lied, welches genau unsere Anforderungen erfüllte! Das Musikstück klingt zwar erstmal ungewöhnlich, aber genau das soll es ja auch und so genauso wie die Bilder Dresden und Kuba verbinden.

Im Moment läuft der Film in einer 20 Sekunden Kurzfassung außerdem noch beim visitdd Wettbewerb: https://www.visitdd.de/voting Wir freuen uns da natürlich über jede abgegebene Stimme! Einfach auf visitdd gehen, dort das Kästchen unter „Bella Salsa“ anklicken und dann unten mit seiner Mailadresse sein Voting abgeben. Für jeden der mitmacht gibt es natürlich auch was zu gewinnen, aber es würde vor allem mich und Bella freuen, wenn wir unter die ersten zehn kommen und der Film so ein paar Zuschauer mehr findet.

– Alexander Schulz