I took this photos while a one week cruise with a sailboat on the coast of Mallorca. I was part of this great experience cause i made an imagefilm for the host "Join the Crew“. Enjoy!

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Sommer, Sonne, Segeln – ein Filmdreh auf offener See

Das unendlich weite, unbeherrschbare Meer war immer ein Ziel von mir, dem ich mich auch in meiner Arbeit glücklicherweise schon annähern durfte. Am prägendsten war hierbei die mehrmonatige Arbeit als TV-Techniker auf einem Kreuzfahrtschiff, bei der ich ganz Europa von der Ostsee bis zum schwarzen Meer und den indischen Ozean kennenlernte und dafür „nur“ ein paar Interviews mit Bordkünstlern und Reiseberichte drehen musste.

Mit der Arbeit für „Join the Crew“ wurde dem Thema „Meer“ in meinem Leben nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Durch einen Tip bin ich auf eine Internet-Anzeige gestoßen, mit der dieser Segelreiseanbieter Filmemacher suchte, die mit ganz kleinem Budget über verschiedenen Segelziele Internetvideos drehen. Schnell meldete ich mich, bekam die Balearen als Ziel gesetzt und machte mich zusammen mit meiner Freundin auf zu dem einwöchigen Dreh auf einem 9-Mann Segelboot vor der Küste Mallorcas.

Das Endergebnis – meine Version vom Film:

 

Die Vorgaben zum zu entstehenden Film waren dabei eher wage: Er sollte eine internetfähige Laufzeit von um die drei Minuten haben, schöne Aufnahmen von der Reise zeigen und natürlich Lust auf Segeln mit Join the Crew machen. Es sollte keine Dokumentation mit Interviews, sondern mehr ein Teaser sein, der Lust auf mehr macht.

Aus meiner Erfahrung vom Dreh auf Schiffen wusste ich, das mit Kamera-Stativen an Bord nicht viel anzufangen sein würde. Zum einen schwankt das Meer natürlich, so dass zwar alle Teile des Bootes im Bild gerade, dafür der Horizont aber immer ungerade sein würde. Zum anderen ist auf einem 9-Mann-Boot so wenig Platz, dass es schwierig wäre, ein Stativ überhaupt vernünftig aufzustellen.

In vielen Internet-Segel-Videos wird dieses Problem mit mehr oder weniger wackeliger Handkamera gelöst. Da ich aber nicht das Look-and-Feel eines Urlaubsvideos, sondern für das kleine Budget so hochwertig wie möglich produzieren wollte, ging ich einen anderen Weg: Zum einen drehte ich, wann immer es möglich war, in 4k, so dass ich genügen Raum für eine digitale Nachstabilisation in Petto hatte. Nur wenn ich Zeitlupe benötigte, wich ich auf Full-HD aus. Denn leider ist eine 4K-Zeitlupe im Moment noch nur sehr großen und teuren Kameras vorbehalten, sonst wäre natürlich das meine Wahl gewesen.

Durch 4K oder Zeitlupe hatte ich also schonmal die Möglichkeit geschaffen, das Bild nachträglich zu stabilisieren oder so zu verlangsamen, dass ein Wackeln nicht stark ins Gewicht fiel. Trotzdem war das – gerade bei stärkerem Seegang – noch zu wenig. Also entschied ich mich, einen Ein-Hand-Gimbal mitzunehmen (den Came-TV Single) und, für die wenigen Landaufnahmen, ein kleines Gorilla-Pod Stativ.

Die Wahl der Kameras fiel auf meine Sony RX100 Mark IV (klein und handlich, außerdem ein sehr guter Bildstabilisator und unzählige Zeitlupemöglichkeiten), eine GoPro 4 (für Unterwassershots) und eine Panasonic G7, mit meinem Lieblingsobjektiv, dem Nokton 25mm sowie ein paar Panasonic Linsen. Dazu einen Laptop zum Material speichern, sichten und schneiden in Final Cut X. Alles in allem passte meine komplette Ausrüstung in einen kleinen Kamerarucksack und unterschied mich so nicht von allen anderen Urlaubern auf See oder an Land. Ungestörtes Arbeiten war also schonmal möglich.

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Der Einhand-Gimbal in Aktion.

Der Dreh selbst gestaltete sich dann noch einfacher als gedacht. Gutes oder besonders schlechtes Wetter vorausgesetzt, bieten Meer und Küste immer gute Motive und wenn man sich erstmal auf das Filmen auf schwankendem Boden eingestellt hat, geht es leicht von der Hand. Zumal drei Minuten Film in einer ganzen Drehwoche natürlich nicht besonders schwer zu sammeln sind.

Achten sollte hauptsächlich auf eine gewisse Wind- und Wetterfestigkeit der Ausrüstung und natürlich das Nutzen der Magic Hour Früh und Abends. Knallige Mittagssonne sieht auch auf hoher See selten gut aus.

Nach der Woche Dreh, die sich mehr wie Urlaub als wie alles andere anfühlten, ging es an den Schnitt. Ich hatte mit meinem Komponisten Sascha Knorr schon im Vorhinein Möglichkeiten der Vertonung besprochen und wir entschieden uns dafür, das Motto „Abenteuer Segeln!“ zum Credo der Musik zu erheben. Also nicht die Pop- oder Electro-Musik, die unter 90% der 3-Minuten-Internet-Segelclips liegt, sondern etwas mit mehr Charakter.

Außerdem wollte ich mit Hilfe der Musik die Struktur meiner Geschichte untermauern. Mir war in der Vorrecherche nämlich aufgefallen, dass die meisten Filme dieser Art leider nur mit beliebiger Musik unterlegte „Diashows“ sind, die einfach eine Menge schöner Bilder aneinanderhängen, ohne dabei irgendeine Art von Dramaturgie zu bieten.

Natürlich kann man in so einem kurzen Format, ohne Schauspieler oder fiktionales Drehbuch, kein Shakespeare erzählen, aber ich wollte zumindest versuchen, dem Film einen Rahmen und eine Chronologie zu geben – die sich natürlich auch in der Musik widerspiegeln musste. Und so war meine Vorgabe an Sascha diese:

Eine kurze Einleitung, die das weite, mysteriöse Meer beschreibt und Raum für die Filmtiteleinblendung lässt. Dann eine Strecke, in der Spannung aufgebaut wird, Vorbereitungen getroffen werden, etwas Großes sich ankündigt (im Film mit Bildern des Hafens, des Einkaufens, der Segelvorbereitungen unterlegt). Dann, endlich, die Losfahrt – hier sollte das Thema beginnen, hier sollte Raum für Abenteuer und Segeln sein. Dann nochmal eine ruhige Strecke, in dem ich den Landgang und die Freizeit an Bord unterbringen kann, nur um wieder zu einem Finale überleiten zu können – dem Segeln in den Sonnenuntergang.

Eine grobe musikalische Skizze der Musik konnte Sascha mir zum Glück schon auf die Reise mitgeben, so dass ich während des Filmens die gar nicht hoch genug zu bewertende Möglichkeit hatte, einen Rohschnitt anzufertigen und ständig zu überprüfen, welches Material ich noch benötigte.

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“Gerade” ist hier nichts…

Die Arbeit zu Hause fiel dadurch deutlich entspannter aus, da das grobe Filmgerüst schon stand – und dessen Findung macht ja gerade bei solch Schnittbilder-Filmen die meiste Arbeit. Ich musste aus den über drei Stunden Rohmaterial also nur noch das richtige Bild für jeden Takt finden, ehe das Video zurück an Sascha ging. Der passte die Musik nun exakt an meinen Schnitt an, fügte noch einige Geräusche hinzu und voilà – fertig war der Ton. Jetzt musste ich mich nur noch um die Feinarbeit beim Bild kümmern, erstellte ein Colorgrading, welches sich natürlich vor allem am Azurblau des Meeres orientiert und von Kontrast und Sättigung den Film in einem gewissen Hochglanzlook verleihen sollte, baute Blenden, Zooms, Stabilisatoren, Masken, Titel etc. ein und hatte schließlich meinen finalen Film!

Doch wie es manchmal so ist im Berufsleben – die Idee hinter der Musik kam bei meinem Auftraggeber nicht so an wie ich es mir gewünscht hätte. Für ihn entfernte sich der Film damit zu weit von seinen sonstigen Videos, weshalb ich schließlich eine zweite Filmversion mit anderer, vom Kunden gewünschter Musik erstellte. Der ist etwas schneller geschnitten und besitzt ein paar Aufnahmen mehr, entspricht aber von den Bildern ansonsten 1:1 meiner Version.

Die “Join the Crew” Version vom Film:

 

Welche Version die bessere ist, soll jeder für sich entscheiden. Unabhängig davon kann ich aber nur immer wieder den Tip geben, den Stil des Films vorher so exakt wie möglich abzusprechen. Gerade bei kostenlosen oder Low-Budget-Aufträgen wie diesen hier neigt man dazu, auf konkrete, schriftlich fixierte Absprachen zu verzichten. Spätestens in der Post-Produktion erfolgt dann das böse Erwachen – für beide Parteien. Wenns da schon mit dem Austausch der Musik getan ist, ist nochmal alles gut gegangen. Aber wenn die Vorstellung schon bei Grundlagen auseinandergehen ist diese Kommunikationslücke im Nachhinein nicht mehr zu kitten – und mindestens einer bleibt auf den angefallenen Kosten und dem Ärger sitzen. Insofern: immer schön alles über einen Vertrag oder Angebot fixieren, auch bzw. gerade (!) wenn es um ein unbezahltes Projekt geht.

Doch trotz dieser kleinen Schwierigkeit auf den letzten Metern war sowohl die Produktion als auch die Postproduktion dieses Films für mich ein reines Vergnügen, welches ich sicher irgendwann mal mit neuen Inszenierungsideen wiederholen werde. Und alle, die es nicht sowieso schonmal im Leben getan haben kann ich nur raten: geht segeln! Dieses intensive Gefühl von Natur und Freiheit kann kein Film vermitteln.

 

– Alexander Schulz