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Einfach schöne Bilder machen – Sechs Tipps für bessere Fotos

„Jeder kann fotografieren!“ – genauso wie Pixar bei ihrem Animationsfilm „Ratatouille“ („Jeder kann kochen!“) sehe ich es auch bei der Fotografie. Jeder, insofern er eine Kamera sein eigen nennt, ist in der Lage, schöne Fotos zu machen.

Nur leider tun es die meisten nicht, sondern kommen über die Qualität von Urlaubsschnappschüssen nicht hinaus. Der Grund dafür ist nicht mangelndes Talent oder das Fehlen von irgendwelchem mysteriösen Geheimwissen, sondern einfach die Unkenntnis von ein paar ganz einfachen Grundlagen. Um vielleicht den ein oder anderen bessere Fotos zu ermöglichen, will ich mich mit genau diesen jetzt näher beschäftigen. Die Wichtigste, alle anderen Regeln überspannende Grundlage lautet dabei:

Alles, was anders ist, ist gut!

Wenn der Mensch Bilder anschaut, sucht er automatisch nach dem Außergewöhnlichen! Selten ist das schon das Motiv, schließlich haben wir alles schon mal selber, im Fernsehen, in Zeitschriften oder wo ganz anders gesehen. Oft muss es daher der Stil des Bildes an sich sein, der den Betrachter in seinen Bann zieht. Und für diesen überwiegenden Fall sind folgende sechs Tipps gedacht:

  • Perspektive! Die meisten Menschen schießen Fotos – oft der Bequemlichkeit wegen – aus normaler Kopfhöhe. Die dabei entstehenden Bilder entsprechen aber dem normalen Seheindruck eines Menschen und sind deshalb in der Regel langweilig. Deshalb möglichst IMMER eine ungewöhnliche Perspektive wählen. Meistens bedeutet das, in die Hocke zu gehen oder die Kamera so hoch wie möglich zu halten. Wenn‘s passt und man besonders ambitioniert ist, kann man sich auch hinlegen, auf eine Leiter klettern, die Kamera mit ins Wasser nehmen, sie auf die Eisenbahnschiene legen… Alles, was nicht der normalen Sehgewohnheit des Menschen entspricht, ist gut!
  • Brennweite! Die meisten Kameras liefern eine Brennweite, die ungefähr dem menschlichen Auge entspricht (50mm Kleinbild). Dazu gibt’s noch einen leichten Weitwinkelbereich und einen leichten Telebereich, das wars. Nun ist aber auch hier wieder das Problem: So sehen wir die Welt den ganzen Tag, ein derartiges Foto zeigt uns nichts Neues und ist daher langweilig. Deshalb sollte man immer wenn es sich anbietet im Extremen arbeiten! Das bedeutet extrem weitwinklig oder extrem telig. Die meisten meiner Fotos auf dieser Website sind entweder mit einem 7mm (entspricht 14mm Kleinbild) Weitwinkel oder einem 45mm (entspricht 90mm Kleinbild) Teleobjektiv entstanden. Brennweiten dazwischen nutze ich nur selten. Das Ergebnis sind Perspektivverhältnisse im Bild, die ungewöhnlich wirken und deswegen beim Betrachter für Aufmerksamkeit sorgen.
  • Licht! Licht ist bei fast jedem Motiv die halbe Miete. Nicht umsonst werden im Filmbereich die Landschaftsaufnahmen immer bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang (in der „Magic Hour“) und alle Nahaufnahmen, Innenaufnahmen etc. während des Tages gedreht. Eine interessante Lichtstimmung mit tiefstehender Sonne, eine besonders warmen oder kalten Lichtfarbe, langen, dunklen Schatten, die die Konturen hervorheben etc. ist entscheidend für die meisten Bilder. Als extremes Beispiel empfehle ich, in mein „Australia“ Fotoalbum zu schauen. Die meisten Strandaufnahmen entstanden abends, kurz vor dem Beginn eines großen Gewitters. Die tiefstehende Sonne bricht nur noch punktuell durch die schwarzen Wolken und gibt dem Bild so eine ganz eigene Atmosphäre. In knalliger Mittagssonne wäre das Foto trotz gleicher Perspektive und Brennweite langweilig gewesen. Das heißt: mit viel Geduld auf das richtige Licht warten und dann schauen, wie man dieses am besten zur Geltung bringen kann (zum Beispiel mit einer Gegenlichtaufnahme).
  • Horizont! Der muss gerade sein! Man kann Amateurfotos IMMER daran erkennen, dass sie leicht schief sind. Also schon beim Fotografieren drauf achten, die Kamera in der Waage zu halten (mithilfe einer echten oder elektronischen Wasserwage) und dann beim Nachbearbeiten das Bild auch nochmal gerade drehen. Ausnahmen sind natürlich Bilder, die bewusst schief sein sollen, um einen bestimmten erzählerischen Effekt zu erzielen. Dies ist aber ein Stilmittel, welches man sehr überlegt einsetzen sollte.
  • Kadrierung! Die Kadrierung ist einfach nur der gewählte Bildausschnitt. An welcher Stelle des Bildes befindet sich das Objekt und wie groß/klein ist es abgebildet. Scheinbar langweilige Motive können zum neuen Leben erweckt werden, wenn man sie in einem ungewöhnlichen Ausschnitt fotografiert. Ein Gesicht eines Menschen vor einer weißen Wand kann in der Bildmitte langweilig aussehen, befindet sich das Gesicht jedoch unten rechts und der Rest ist weiße Wand, kann das interessant wirken. Hier sollte man vom „goldenen Schnitt“ zumindest schon mal etwas gehört haben.
  • Nachbearbeitung! Ich rede nicht von stundenlanger Friemelei in Photoshop, sondern um die Anpassung eines Bildes in ein paar ganz simplen Werten: Kontrast (über den Kontrastregler oder besser mit der Gradiationskurve), Farbsättigung und Schärfe. Diese drei Eigenschaften reichen aus, um ein Foto anders, ungewöhnlich, besonders wirken zu lassen. Auch hier gilt natürlich wieder: behutsam und immer mit Blick auf die gewünschte Aussage des Bildes einsetzen.

Unter Beachtung dieser sechs einfachen und logischen Regeln kann jeder die Qualität seiner Fotos deutlich steigern – egal um welches Motiv es sich handelt.

– written by Alexander Schulz